Im August 2019 flog ich mit 2 großen Koffern – je 23 kg – über Addis Abeba nach Daressalam in Tansania. Die Koffer enthielten zum großen Teil Spenden für das Kindergarten Projekt Tihamwe, initiiert von Liz und Thomas Kerkmann im Jahr 2018. Ich wollte mit meiner Kamera den Kindergarten und sein Team sowie die Kinder und ihre Familien fotografieren.

In Daressalam holte mich Liz` Schwester Emily vom Flughafen ab. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus weiter in den Norden des Landes bis in einen Ort namens Muheza, der nicht weit weg vom indischen Ozean und der Stadt Tanga liegt. Ich war froh, dass Emily mich begleitete, denn im Bus war ich die einzige Weiße. Wen hätte ich, falls nötig, um Hilfe bitten können, denn außerhalb von Daressalam wird nur wenig Englisch gesprochen. Liz erwartete uns auf dem kleinen Busbahnhof von Muheza. Ich war Gast in ihrem Elternhaus und lernte im Laufe der nächsten Tage ihre Mutter, ihre Geschwister und deren Familien kennen. Das Essen war köstlich, es gab wenig Fleisch, dafür war das Gemüse sehr geschmackvoll zubereitet und äußerst abwechslungsreich. Selbst meinen täglichen Kaffee hörte ich in kurzer Zeit auf zu vermissen.

Im August 2019 bestand der Kindergarten aus einem kleinen Haus mit Tischen und Bänken, in dem gespielt, gelernt und dokumentiert wurde. Es gab eine Toilette für Buben und eine für Mädchen, die Dusche wurde als Abstellkammer benutzt. Das Service Haus befand sich gerade im Bau. Das gesamte Areal ist groß, die Kinder haben genug Auslauf für Spiel und Sport. In den nächsten Tagen lernte ich auch das Kindergarten Team kennen, allen voran Michael, den Direktor und Bruder von Liz, sowie Ernest, den Kindergarten-Pädagogen.

Bald nach meiner Ankunft besuchten wir den Kindergarten und überreichten den Kindern Kleidung und Schuhe, die Liz in Österreich geschenkt bekommen hatte. Die Verteilung der Kleidungsstücke dauerte einige Stunden, da jedes Stück anprobiert werden musste. Die Kinder waren unglaublich geduldig und diszipliniert; es gelang für jeden Buben und jedes Mädchen etwas Passendes zu finden.
Wir gingen auch zu den Familien der Kinder im nahe gelegenen Village. Viele sind arm, und es reicht gerade mal für das Nötigste. Das monatlich zu bezahlende Kindergartengeld ist für unsere Verhältnisse eine geringe Summe, für die Eltern vor Ort allerdings ein Betrag, den manche nur mit Mühe aufbringen können.
Einer der nicht weit entfernten öffentlichen Schule statteten Liz und ich einen Besuch ab. Eine von Liz` Schwestern, Monika, arbeitet dort als Lehrerin. Wir besuchten die Klasse für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Diese Kinder kommen zum Teil von weit her und müssen mit dem Moped in die Schule gebracht werden. Die Kinder sangen für uns und zeigten uns ihre Spielsachen.
Wir durften auch in die anderen Klassen hineinschauen. Unvorstellbar wie viele Schüler/innen sich in einem Raum befanden, es waren mindestens 50, wenn nicht noch mehr. Anfangs konnten wir die Lehrpersonen in der großen Schülerschar nicht erkennen, in Wirklichkeit saßen sie mittendrin.
Am letzten Tag gab es im Kindergarten einen Elternabend, ich stellte mich auf Englisch vor. Leider habe ich nichts von dem verstanden, was besprochen wurde. Liz hat für mich übersetzt, und ich spürte, die Stimmung unter den Eltern war gut, es wurde viel gelacht.

Muheza liegt am Fuße der Usambara Berge in einer wunderschönen Landschaft, die es wert ist, besucht zu werden und noch nicht von Touristen überschwemmt wird.
Ich bin froh und dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, das Projekt Tihamwe mit seinen Kindern und ihren Familien näher kennen zu lernen. Hier wird auf spielerische Weise kindgerecht Bildung und Erziehung vermittelt, noch bevor die Kleinen in die Schule kommen.
Mit vielen schönen Fotos und reich an neuen Erfahrungen kehrte ich nach Hause zurück.

Claudia Wilfinger, Schriftführerin TIHAMWE e.V., Juni 2020

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