Es war soweit: Heuer verließen 27 Kinder den Tihamwe Kindergarten.
Da heißt es Abschied nehmen, denn der Lebensweg der Kinder geht jetzt bei der jeweiligen Volksschule (primary school) weiter.
Das ist ein Ereignis (!).
Mit jedem Kind ist eine Geschichte geschrieben, jedes Kind hinterläßt eine Spur.
Das Verabschieden ist mit loslassen verbunden. Es ist gut, dass das Kind geht, denn es hat noch viel vor sich.
Was bleibt ist die Freude, die Kinder ein Stück Weg begleitet zu haben.
Es ist Dankbarkeit darüber da, ein Werkzeug gewesen sein zu dürfen für etwas, das später hoffentlich seine Früchte zeigen wird.
Das Lachen der Kinder, die jetzt „groß“ sind, tut gut. Der Stolz der Eltern hat seinen Platz.
Trifft man sich dann gelegentlich einmal, werden Erinnerungen lebendig und die Herzensverbundenheit lebt weiter.

Tihamwe greift den Brauch auf, so eine Verabschiedung gebührend mit einer Graduation Ceremony zu feiern.
Die Kinder stehen im Vordergrund und bekommen eine Abschlussbestätigung überreicht. Spiel, Spaß und gutes Essen gehören selbstverständlich dazu.

Der Master of Ceremony (Tihamwe Direktor) ergreift die Gelegenheit, und fasst das vergangene Jahr in einem kurzen Bericht zusammen.

von links: Bezirksvorsitzende, Vorsitzender Sega Village, Vorsitzender Mbaramo, Mteza (Bauarbeiter), Mbaramo Primary School Headteacher, Bibi-Mlezi, Madame Herieth (Betreuerin)

Dabei wird Rückschau gehalten, wird das Gelungene heraus gestellt, werden Herausforderungen benannt.

Die Guests of Honor werden eingeladen das Wort zu ergreifen. Der Wert von Bildung an sich wird dabei unterstrichen und der Ahnung Raum gegeben, dass man mit den Kindern die zukünftigen Lehrer, Ärzte, Landwirte, Techniker usw. vor sich hat. Die Eltern erfahren Ermutigung für ihren lobenswerten Einsatz die Kinder unterstützt zu haben.

In einem Wort: Das Dorf kommt zusammen, wächst zusammen und erlebt Gemeinschaft.

von links: Michael (Direktor), unsere GRADUATES, vorne: Madame Stella (Betreuerin), mitte: Madame Herieth (Betreuerin), rechts: Mwalimu Ernest (Kindergartenpädagoge)

Kinder plus Eltern

von links: Guest of Honor, Kind (und Mutter) mit Zertifikat

 

Morgentliche Hygiene-Routine (Corona)

So wie in Europa Anfang März dieses Jahres die Corona-Pandemie ausgebrochen ist, hat es etwa zwei Wochen zeitversetzt auch den ostafrikanischen Raum heimgesucht.

Corona-Anordung zur Kindergartenschließung, März 2020

Corona-Anordung zur Kindergartenschließung, 03.2020

Nach europäischem Vorbild hat Tansania in ähnlicher Weise reagiert, und landesweite Lockdowns verordnet bzw. gezielt bestimmten Bereichen gesellschaftlichen Lebens mehr oder weniger klar definierte Einschränkungen auferlegt. Der Tihamwe Kindergarten war nicht ausgenommen, musste also der Anordnung Folge leisten und sperrte relativ unvorbereitet mit dem 17. März 2020 zu.

Nicht vor die Tür gehen zu können ist für Kinder eigentlich das Undenkbare. Eben auch die Kindergartenkinder waren in Sega Village allerorts zu finden – durcheinander und mißmutig, nicht mehr zum Kiga gehen zu können. Was Tihamwe beobachten konnte, war, dass eigentlich niemand mit diesen Verordnungen umzugehen wusste, denn zu unverständlich war das, was da über das Land hereingebrochen war. Zudem: Wie sollte z.B. die tägliche (hart umkämpfte) warme Mahlzeit auf den Tisch kommen, wenn es denn den sonst gewohnten Tagesablauf nicht mehr geben durfte und für viele die Gelegenheitsarbeiten hier und dort komplett wegfielen. D.h., das europäische Covid-19 Modell war auf die afrikanischen Verhältnisse nicht kopierbar, was der Tansanische Staat aber erst in den Folgemonaten realisierte.

Nach einer „Durststrecke“ von ca. 3 Monaten, während der aber die Kindergartenangestellten 80% ihres Lohnes weiterbezahlt bekamen, öffnete der Tihamwe Kindergarten mit dem 29.06.2020 wieder seine Tore.

Präsident John Pombe Magufuli bzgl. Wiedereröffnung der Schulen und Soziales

Natürlich hatte es zwischenzeitlich keine Beitragsabgaben gegeben, womit aber mindestens die Hälfte der Gehälter zuvor gedeckt worden war. Tihamwe e.V. Österreich ist hier eingesprungen und hat so die Situation retten können. Denn es stand die Priorität im Raum, das Personal nicht zu verlieren bzw. ging es um die nackte Existenz. Zusehr war man/frau bereits zusammengewachsen. Tihamwe Tansania hatte sich merklich, eben auch aufgrund des engen Austauschs mit Österreich, v.a. pädagogisch positiv abheben können vom sonst üblichen Erziehungsansatz der umgebenden Bildungseinrichtungen. Siehe hierzu auch den Blog „Zulfa is not stupid“.

Tihamwe Kindergarten ist froh, dass der Betrieb wieder gewährleistet ist.
Die Mehrheit der Tansanier lebt von der Hand in den Mund. Tansania kann sich die Corona-Maßnahmen sozusagen nicht leisten – besser kein Corona-provozierter Hunger als ein „erfolgreicher“ Lockdown.
Als Fazit bleibt das Ziel, zunehmend unabhängig zu werden, d.h. den Kindergarten auszubauen um so auch mehr an Einnahmen zu generieren. Tihamwe – gemeinsamen schaffen wir es.

Im Jänner 2020 hatten wir die Gelegenheit, das Projekt Tihamwe den Mitgliedern des Inner Wheel Club Graz-Uhrturm vorzustellen. Liz Kerkmann und Friederike v. Lewinski berichteten in geselliger Runde über die Projektziele, den laufenden Kindergartenbetrieb und die weiteren geplanten baulichen Schritte sowie den notwendigen Finanzbedarf. Claudia Wilfinger ergänzte den Vortrag mit eindrücklichen Fotos und Impressionen von ihrem Besuch vor Ort in Tansania.

Mit großem Interesse verfolgten die Clubdamen die Berichte. Vieles wurde in der nachfolgenden Diskussion noch vertieft. Schlussendlich entschloss sich der Inner wheel Club Graz-Uhrturm, den Kindergarten Tihamwe, insb. die Errichtung von Küchenhaus und Kochstelle, finanziell zu unterstützen.

Wir sagen dafür Vielen herzlichen Dank !

 

Im August 2019 flog ich mit 2 großen Koffern – je 23 kg – über Addis Abeba nach Daressalam in Tansania. Die Koffer enthielten zum großen Teil Spenden für das Kindergarten Projekt Tihamwe, initiiert von Liz und Thomas Kerkmann im Jahr 2018. Ich wollte mit meiner Kamera den Kindergarten und sein Team sowie die Kinder und ihre Familien fotografieren.

In Daressalam holte mich Liz` Schwester Emily vom Flughafen ab. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus weiter in den Norden des Landes bis in einen Ort namens Muheza, der nicht weit weg vom indischen Ozean und der Stadt Tanga liegt. Ich war froh, dass Emily mich begleitete, denn im Bus war ich die einzige Weiße. Wen hätte ich, falls nötig, um Hilfe bitten können, denn außerhalb von Daressalam wird nur wenig Englisch gesprochen. Liz erwartete uns auf dem kleinen Busbahnhof von Muheza. Ich war Gast in ihrem Elternhaus und lernte im Laufe der nächsten Tage ihre Mutter, ihre Geschwister und deren Familien kennen. Das Essen war köstlich, es gab wenig Fleisch, dafür war das Gemüse sehr geschmackvoll zubereitet und äußerst abwechslungsreich. Selbst meinen täglichen Kaffee hörte ich in kurzer Zeit auf zu vermissen.

Im August 2019 bestand der Kindergarten aus einem kleinen Haus mit Tischen und Bänken, in dem gespielt, gelernt und dokumentiert wurde. Es gab eine Toilette für Buben und eine für Mädchen, die Dusche wurde als Abstellkammer benutzt. Das Service Haus befand sich gerade im Bau. Das gesamte Areal ist groß, die Kinder haben genug Auslauf für Spiel und Sport. In den nächsten Tagen lernte ich auch das Kindergarten Team kennen, allen voran Michael, den Direktor und Bruder von Liz, sowie Ernest, den Kindergarten-Pädagogen.

Bald nach meiner Ankunft besuchten wir den Kindergarten und überreichten den Kindern Kleidung und Schuhe, die Liz in Österreich geschenkt bekommen hatte. Die Verteilung der Kleidungsstücke dauerte einige Stunden, da jedes Stück anprobiert werden musste. Die Kinder waren unglaublich geduldig und diszipliniert; es gelang für jeden Buben und jedes Mädchen etwas Passendes zu finden.
Wir gingen auch zu den Familien der Kinder im nahe gelegenen Village. Viele sind arm, und es reicht gerade mal für das Nötigste. Das monatlich zu bezahlende Kindergartengeld ist für unsere Verhältnisse eine geringe Summe, für die Eltern vor Ort allerdings ein Betrag, den manche nur mit Mühe aufbringen können.
Einer der nicht weit entfernten öffentlichen Schule statteten Liz und ich einen Besuch ab. Eine von Liz` Schwestern, Monika, arbeitet dort als Lehrerin. Wir besuchten die Klasse für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Diese Kinder kommen zum Teil von weit her und müssen mit dem Moped in die Schule gebracht werden. Die Kinder sangen für uns und zeigten uns ihre Spielsachen.
Wir durften auch in die anderen Klassen hineinschauen. Unvorstellbar wie viele Schüler/innen sich in einem Raum befanden, es waren mindestens 50, wenn nicht noch mehr. Anfangs konnten wir die Lehrpersonen in der großen Schülerschar nicht erkennen, in Wirklichkeit saßen sie mittendrin.
Am letzten Tag gab es im Kindergarten einen Elternabend, ich stellte mich auf Englisch vor. Leider habe ich nichts von dem verstanden, was besprochen wurde. Liz hat für mich übersetzt, und ich spürte, die Stimmung unter den Eltern war gut, es wurde viel gelacht.

Muheza liegt am Fuße der Usambara Berge in einer wunderschönen Landschaft, die es wert ist, besucht zu werden und noch nicht von Touristen überschwemmt wird.
Ich bin froh und dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, das Projekt Tihamwe mit seinen Kindern und ihren Familien näher kennen zu lernen. Hier wird auf spielerische Weise kindgerecht Bildung und Erziehung vermittelt, noch bevor die Kleinen in die Schule kommen.
Mit vielen schönen Fotos und reich an neuen Erfahrungen kehrte ich nach Hause zurück.

Claudia Wilfinger, Schriftführerin TIHAMWE e.V., Juni 2020

Im November 2019 führte Elizabeth Kerkmann mit einer Journalistin von der Kleinen Zeitung ein Telefonat über das Projekt TIHAMWE. Gemessen an den Rückmeldungen fand der Artikel großen Anklang.

Kleine Zeitung, 2. Dezember 2019

Hier eingefügtes Foto zeigt den Artikel, jedoch bedarf es ein paar korrigierender Anmerkungen:

Mit September 2010 arbeitet Elizabeth als Betreuerin im Pfarrkindergarten von St. Leonhard, Pfarrverband Graz Ost.

Der Kindergartenbetrieb in Tansania wurde mit Oktober 2018 aufgenommen. Um eine Überauslastung des Gruppenraums zu vermeiden, entschied sich TIHAMWE die Kinder auf zwei Gruppen aufzuteilen, die dann nacheinander zum Kindergarten (Kiga) kommen. Dies aber ist nur eine Übergangslösung – mit Januar 2021 wird der zwischenzeitliche errichtete zweite Kiga-Gruppenraum bezogen werden, wodurch ein regulärer Betrieb möglich ist.

Namentlich besteht das TIHAMWE Kiga-Team aus:
Ernest, Kinder-Pädagoge
Stella, Betreuerin (Frau von Michael)
Herieth, Betreuerin
Michael, Direktor (Bruder von Elizabeth).

Beim Umgang mit den Eltern der Kinder hat sich gezeigt, dass die Bedeutung von Bildung als Schlüssel für die Verbesserung der eigenen Lebensverhältnisse nicht ausreichend erkannt wird. Dass auch die Eltern Freude daran entdecken, den eigenen Kindern mit dem Besuch eines Kindergartens ein Grundpotential an sozialer Kompetenz und Begeisterung für’s Lernen mitzugeben, bedarf eines gemeinsam beschrittenen Weges. Mittels spontan geführter Gespräche bzw. über gesondert veransteltete Elternabende versucht TIHAMWE die Eltern anzusprechen. Wie oft stellt TIHAMWE dabei fest, dass die Situation der Kinder nicht zu trennen ist von der je eigenen Familiensituation. Das Kind ist hineinverwoben in die Lebensherausforderungen seiner Familie als ganzes, ohne dass es dafür etwas kann. Nicht selten gibt es tiefe Brüche in den Familien.

So ist den Eltern hoch anzurechnen, wenn sie dennoch den Kiga-Beitrrag entrichten, obwohl es kein regelmäßiges Einkommen gibt und mit jedem Tag der Existenzkampf von neuem beginnt.
Für besonders bedürftige Familie wurde ein Patenschaftsmodell aufgestellt, das sich mit Hilfe von TIHAMWE e.V. Österreich finanziert.
Die nötigen Kontaktdaten und Kontodetails TIHAMWE e.V. zu unterstützen finden sich auf dieser Web-Seite.

Vielen Dank.

Zulfa Kondo ist ein sechs-jähriges Mädchen. Bevor sie im März 2018 bei Tihamwe aufgenommen wurde, hatte sie einen anderen Kindergarten in Muheza besucht. Dort stufte man sie als dumm ein, d.h.: sie sei nicht in der Lage gewesen, die ihr gezeigten Dinge zu lernen und zu begreifen. Ihre Mutter – der Vater hat die Familie verlassen – entschied jedoch, sie nach Tihamwe zu schicken. Obwohl es auf der Hand lag, dass die Mutter den Monatsbeitrag nicht würde zahlen können, nahm Tihamwe sie auf. Zulfa wollte bei allem dabei sein, und es zeigte sich rasch, dass das Kind wie ein Schwamm alles aufnahm, was sie nun kennenlernen und entdecken durfte. Sie war wissbegierig, und eine Bereicherung für die Gruppe. Nach einem Kindergartenjahr nur war sie reif für die Schule und verlässt Tihamwe. Sie ist jetzt bei der Volksschule im Ortsteil Mbaramo aufgenommen und das Schuljahr beginnt im Januar 2019.